Clean Gardening and the Trail of the Snail

Clean Gardening and the Trail of the Snail - Gabriela Kobus

Zwischen akkurat geschnittenen Hecken und „pflegeleichten“ Steingärten gedeiht die Sehnsucht nach Reinheit – geruchlos und vor allem kontrollierbar. In ihrer neuen raumgreifenden Arbeit Clean Gardening and the Trail of the Snail öffnet die Gabriela Kobus Felder von Schleim, Ästhetik und Ordnung.

Beruhend auf Beobachtungen der Kleinstlebewesen im wild bewachsenen Brachland hinter ihrem Atelierhaus befasst sich die Künstlerin mit Spuren von Nacktschnecken und verknüpft sie mit Überlegungen aus vorigen Arbeiten: Konzepte ästhetischer Gestaltung von privaten und öffentlichen Räumen im Hinblick auf Erzeugung von Sicherheitsgefühlen und Vermeidung von Unannehmlichkeiten wie Ekel oder Angst.

Kobus überführt diese Thematik in einen erweiterten Kontext, der auch nichtmenschliche Akteure einbezieht.

Psychologisch betrachtet, ließe sich sagen, dass der Mensch – wie die Forschung zu Angstkompensation nahelegt – versucht, Kontrollverlust durch räumliche Kontrolle auszugleichen. Der „Clean Garden“ ist dann nicht nur ein ökologisches Konzept, sondern auch ein emotionales Beruhigungsmittel: ein Schutzraum gegen die Zumutungen von Veränderung, Wucherung und Schleim.

Eine Installation auf Bodenhöhe zeigt Notationen biologischer Bewegung: Schleimspuren von Tigerschnegeln, eine standorttreue Nacktschnecke, die sich als nächtlicher Gärtner unbeeindruckt von Pflanzordnungen durchs Unterholz bewegt. Im großen Galerieraum legt die Künstlerin den Schwerpunkt auf „cleane“ Materialien und arrangiert u.a. Schotterflächen, durchsetzt mit gläsernen Objekten von schneidender Eleganz, schön und kalt zugleich.

Welche Emotionen und Beziehungen bringen unsere anthropozentrisch geprägten Wertesysteme hervor und was prägt unseren Sinn für Schönheit, Hygiene und Sicherheit überhaupt?
Auf längere Sicht stellt sich die Frage, welche Zukunft entsteht, wenn wir bestimmte Lebewesen zulassen – und andere ausschließen. Diese Entscheidungen prägen nicht nur ökologische Systeme, sondern auch kulturelle Selbstbilder.

Die Schnecken ziehen ihre Spur wie ein ironischer Leitfaden. Sie werden zu tierischen Philosophen, die uns die Absurdität der Kontrolle vor Augen führen: dass wir uns im Versuch, Natur zu zähmen, selbst in ästhetisch kalkulierten Lebensräumen einschließen – und uns dabei womöglich selbst austrocknen.

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